Überprüfen von Arbeitszeugnissen

 

Aussehen des Arbeitszeugnisses

BAG Urteil: Form des Arbeitszeugnisses
Das Arbeitszeugnis spielt bei der Bewerbung des Arbeitnehmers eine erste wesentliche Rolle. Es stellt einen wichtigen Faktor im Arbeitsleben dar. Einerseits muss es wahr sein - andererseits darf es das weitere Fortkommen des früheren Mitarbeiters nicht ungerechtfertigt erschweren. Das Bundesarbeitsgericht hat seine äußere Form bestimmt (5AZR 182/92 ):

  1. Es sei haltbares Papier von guter Qualität zu benutzen. Das Zeugnis müsse sauber und ordentlich geschrieben sein und dürfe keine Flecken, Radierungen, Verbesserungen, Durchstreichungen oder ähnliches enthalten.
  2. Die äußere Form des Zeugnisses müsse außerdem so gestaltet sein, dass es nicht einen seinem Wortlaut nach sinnentstellenden Inhalt gewinne. Durch die äußere Form dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, der ausstellende Arbeitgeber distanziere sich vom buchstäblichen Wortlaut seiner Erklärung.
  3. Es müsse mit einem ordnungsgemäßen Briefkopf ausgestattet sein, aus dem der Name und die Anschrift des Ausstellers erkennbar seien. Der Unterschrift sei ein Firmenstempel beizufügen. Ferner könne der Mitarbeiter auch beanspruchen, dass das Zeugnis in einheitlicher Maschinenschrift abgefasst werde.
Urteil des Bundesarbeitsgericht vom 3.März 1993 - 5 AZR 182/92

Für den Zeugnisaufbau gibt es einen Standard. Danach ist wie folgt vorzugehen:

  • Überschrift
    Bezeichnung der Zeugnisart: Zwischenzeugnis, Praktikantenzeugnis etc.
  • Einleitungssatz
    Personalien des Mitarbeiters sowie die Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Aufgabenbeschreibung
    Position des Mitarbeiter und Beschreibung seiner Kompetenzen in der Firma
  • Leistungsbeurteilung
    Arbeitsweise, Arbeitsleistung und Arbeitserfolge des Mitarbeiters
  • Verhaltensbeurteilung
    Verhalten zu Vorgesetzten, Kollegen gegebenenfalls zu Kunden und weiteren Personen
  • Schlussabsatz
    Wenn vom Arbeitnehmer gewünscht, ist der Grund für das Ende des Arbeitsverhältnisses anzugeben. Am Ende: Dankesformel mit Zukunftswünschen.

Wichtige Rechtsgrundlagen:

  • Zum Ende eines Arbeitsverhältnisses hat man Anspruch auf ein Zeugnis. Verlangen Sie ein QUALIFIZIERTES Zeugnis.
  • Nur mit einem qualifizierten Zeugnis haben Sie Chancen am Arbeitsmarkt.
  • Verlangen Sie unmittelbar nach der Kündigung die Ausstellung eines qualifizierten Zeugnisses.
  • Reagiert der Arbeitgeber nicht auf Ihr Verlangen, oder weigert er sich, so sollten Sie nochmals unter Fristsetzung und Klageandrohung dazu auffordern. Passiert weiterhin nichts, so ist eine Klage vor dem Arbeitsgericht erforderlich.
  • Gleiches gilt für eine Berichtigung des Zeugnisses.
  • Anspruch auf ein Zeugnis innerhalb von 2 Jahren anmelden, sonst kein gerichtlich einklagbarer Anspruch mehr.
  • Bei einem Aufhebungsvertrag ist zu raten, dass das Zeugnis in einem Anhang bereits mitformuliert ist.
  • Auch bei Klage gegen eine Kündigung sofort Zeugnis verlangen.
  • hat der Arbeitgeber freiwillig, oder auch per Gerichtsbeschluss das Zeugnis geändert, muss das Zeugnis das ursprüngliche Datum tragen.
  • Das Gericht kann mit Zwangsgeld oder Zwangshaft für die Ausstellung eine Zeugnisses drohen.
  • Krankheiten, auch wenn sie Kündigungsgrund waren und der Arbeitnehmer mehr als 1,5 Jahre vor der Kündigung ununterbrochen krank war, dürfen im Zeugnis keinen Niederschlag finden.

Was im Zeugnis nichts zu suchen hat:

Negative Beobachtungen und Bemerkungen sind im Arbeitszeugnis unzulässig. Ebenso wenig ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, dem Scheidenden gute Wünsche für seine berufliche und private Zukunft mitzugeben. Zu beiden Fällen gibt es verschiedene Gerichtsurteile, anhand derer auch die "Bestimmungen für Arbeitszeugnisse in der Wirtschaft" modifiziert werden. Diese legen unter anderem die thematischen Tabus bei der abschließenden Beurteilung eines Mitarbeiters fest:

  • Gehalt
  • Kündigungsgründe
  • Vorstrafen
  • Abmahnungen
  • Krankheiten/Fehlzeiten
  • Leistungsabfall
  • Alkoholabhängigkeit
  • Behinderungen
  • Betriebsratstätigkeit
  • Gewerkschaftsengagement
  • Parteizugehörigkeit
  • Religiöses Engagement
  • Nebentätigkeiten/Ehrenämter
  • Urlaubs- und Fortbildungszeiten

Darüber hinaus darf im Text nichts unterstrichen, kursiv gedruckt oder gefettet werden. Ausrufe-, Frage- und Anführungszeichen sind ebenfalls unzulässig.

Besonders für Angestellte gilt:

  • Eigenen Zeugnisentwurf vorschlagen, zumindest bei der Beschreibung der Tätigkeit aktiv mitwirken (mit unserem PC-Zeugnisprogramm können Sie diesen Entwurf sehr einfach selbst erstellen).
  • Auf Vollständigkeit und Lückenlosigkeit des Zeugnisses achten!
  • Zeugnis immer durchlesen und bei Zweifeln Fachmann fragen!
  • Gelegenheiten nutzen um z.B. Zwischenzeugnisse zu bekommen z.B. bei Versetzungen, Wechsel des Vorgesetzten Änderung des Unternehmensgefüges Besuch von Fortbildungskursen.

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Prüfen Sie Ihr Arbeitszeugnis (Wichtige Checklisten!)

Checkliste 1: So prüfen Sie ein einfaches Zeugnis

  • Trägt das Zeugnis eine Überschrift?
  • Sind Ihr Vor- und Nachname sowie gegebenenfalls Ihr Geburtsname korrekt geschrieben?
  • Werden Geburtsdatum und Geburtsort richtig wiedergegeben?
  • Stimmen die Angaben zu Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses?
  • Wird die von Ihnen ausgeübte Tätigkeit genau und vollständig beschrieben?
  • Wurde das Zeugnis auf dem üblicherweise verwendeten Firmenbogen geschrieben?
  • Sind Ort und Datum der Ausstellung des Zeugnisses genannt?
  • Ist das Zeugnis vom Firmenchef oder einer vertretungsberechtigten Person unterschrieben?

Checkliste 2: So prüfen Sie ein qualifizierte Zeugnis

  • Trägt das Zeugnis eine Überschrift?
  • Wurde das Zeugnis auf dem üblicherweise verwendeten Firmenbogen geschrieben?
  • Sind Ihr Vor- und Nachname sowie gegebenenfalls Ihr Geburtsname korrekt geschrieben?
  • Werden Geburtsdatum und Geburtsort richtig wiedergegeben?
  • Bei einem akademischen Titel: Ist er berücksichtigt?
  • Sind Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses angegeben?
  • Ist die von Ihnen ausgeübte Tätigkeit vollständig und genau beschrieben?
  • Wenn Sie über spezielle Fachkenntnisse und besondere Erfahrungen verfügen: Sind diese im Zeugnis angemessen berücksichtigt?
  • Sind Ihre Leistungen ausführlich und richtig beurteilt?
  • Entsprechen die Angaben zur Führung im Dienst der Tatsachen?
  • Bei Vorgesetztentätigkeit: Ist Ihre Führungsfähigkeit korrekt beurteilt?
  • Wird der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses genannt? 
  • Äußert Ihr Arbeitgeber sein Bedauern über Ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis?
  • Dankt Ihnen Ihr Arbeitgeber für die geleisteten Dienste?
  • Enthält die Schlussformulierung Wünsche des Arbeitgebers für Ihre berufliche Zukunft?
  • Sind Ort und Datum der Zeugnisausstellung genannt? 
  • Ist das Zeugnis vom Firmenchef oder einer vertretungsberechtigten Person unterschrieben?

Checkliste 3: So prüfen Sie die Form und Gestaltung Ihres Zeugnisses

  • Ist der Gesamteindruck des Zeugnisses ansprechend?
  • Ist das Zeugnis auf einem Firmenbogen geschrieben?
  • Ist das Zeugnis auf einem DIN A4-Bogen geschrieben?
  • Nennt das Zeugnis das richtige Ausstellungsdatum?
  • Ist das Zeugnis vom Firmenchef oder einer vertretungsberechtigten Person unterschrieben?
  • Weist das Zeugnis Beschmutzungen oder Beschädigungen auf?
  • Trägt das Zeugnis eine charakteristische Überschrift?
  • Ist das Gliederungsschema für ein (qualifiziertes) Zeugnis eingehalten?
  • Stimmen die Personalien?
  • Sind Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses angegeben?
  • Enthält das Zeugnis Angaben zu Ihrem Tätigkeitsbereich?
  • Werden im Zeugnis Ihre Führung und Leistung beurteilt?
  • Wird der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses genannt?
  • Äußert Ihr Arbeitgeber sein Bedauern über Ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis?
  • Dankt Ihnen Ihr Arbeitgeber für die geleisteten Dienste?
  • Ist das Zeugnis vollständig?
  • Ist das Zeugnis unmissverständlich formuliert?
  • Hat das Zeugnis einen angemessenen Umfang?

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K.O. Vokabeln: Diese Sätze sollten besser nicht im Arbeitszeugnis stehen!

Was steckt hinter bestimmten Formulierungen im Arbeitszeugnis?

Zeugnistext
Bewertung
... erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse ...
Eifer ja, aber ohne Erfolg
... hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt ...
äußerst schwache Leistung
... möchten wir seine Fähigkeiten hervorheben, die Aufgaben mit vollem Erfolg zu delegieren ...
er/sie ist ein Drückeberger
... zeigte für die Arbeit Verständnis ...
er/sie ist ein Faulpelz
... hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden ...
er/sie ist ein Versager
... war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen ...
unangenehmer Mitarbeiter und Zeitgenosse
... verfügt über Fachwissen und zeigt gesundes Selbstvertrauen ...
große Klappe, aber nichts dahinter
... erzielte einen nicht unerheblichen Umsatz ...
aber auch keinen erheblichen
... die Zusammenarbeit verlief ohne Beanstandung ...
aber auch nicht sehr angenehm
... trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei ...
neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss oder Kolleginnen
... wünschen ihr/ihm alles Gute, vor allem Gesundheit ...
Entwertung des Zeugnisses durch ironische Formulierung
... für seine Mitarbeit bedanken wir uns ...
und tschüss!

 

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Der "GEHEIMCODE" der Arbeitgeber bei Zeugniserteilung

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat ein Recht auf die "faire" und "objektive" Beurteilung seiner Leistungen in Form eines Arbeitszeugnisses. Das legt das Bürgerliche Gesetzbuch fest. Negative Formulierungen sind dabei unzulässig – so haben mehrere Gerichte entschieden. Wen wundert es da, dass die Personalchefs eine "Geheimsprache" entwickelt haben, mit der sie ungünstige Beurteilungen möglichst positiv klingen lassen.

Hier finden Sie die Übersetzung der gängigsten Formulierungen:

Das steht geschrieben ...
Das ist gemeint ...
... hat stets die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt ...
sehr gute Leistungen
... hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt ...
gute Leistungen
... hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit erledigt ...
ausreichende Leistungen
... hat die ihm übertragenen Arbeiten im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt ...
mangelhafte Leistungen
... hat sich bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen ...
unzureichende Leistungen
... hat unseren Erwartungen entsprochen ...
schlecht
... in jeder Hinsicht entsprochen ...
befriedigend
... in bester Weise entsprochen ...
ziemlich gut
... in jeder Hinsicht und in bester Weise entsprochen ...
gut
... in jeder Hinsicht und in allerbester Weise entsprochen ...
sehr gut
... hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt ...
Bürokrat, der keine Initiative entwickelt
... mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen ...
ein Mitläufer, der sich gut anpasst
... war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen ...
ist ein unangenehmer Mitarbeiter
... wegen ihrer/seiner Pünktlichkeit war sie/er stets ein gutes Vorbild ...
war in jeder Hinsicht eine Niete
... wir haben uns im gegenseitigem Einvernehmen (Einverständnis) getrennt ...
wir haben ihm gekündigt
... bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden ...
hat versagt
... hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt ...
hat getan was sie/er konnte, aber das war nicht viel
... alle Arbeiten erledigte sie/er mit großem Fleiß und Interesse ...
war eifrig, aber nicht besonders tüchtig
... war immer mit Interesse bei der Sache ...
hat sich angestrengt, aber nichts geleistet
... zeigte für seine Arbeit Verständnis ...
war faul und hat nichts geleistet
... hat sich bemüht, seinen Aufgaben gerecht zu werden ...
Guter Wille, aber mehr auch nicht - ungenügende Leistung
... erfüllte seine Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit ...
mäßige, aber noch brauchbare Leistungen
... im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter ...
für Vorgesetzte ist er ein schwerer Brocken
... wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen ...
viele Mitarbeiter sahen ihn lieber von hinten als von vorn
... ist ein zuverlässiger (gewissenhafter) Mitarbeiter ...
ist zur Stelle, wenn man sie/ihn braucht, allerdings ist sie/er nicht immer brauchbar
... bemühte sich mit großem Fleiß, die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen ...
sie/er hat versagt
... ihre/seine Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere volle Anerkennung gefunden ...
außergewöhnlich
... wir waren mit ihrer/seiner Leistung in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden ...
außergewöhnlich
... erledigte die ihr/ihm übertragenen Arbeiten mit Fleiß und war stets bestrebt (willens), sie termingerecht zu beenden ...
unzureichende Leistungen
... hat sich mit großem Eifer an diese Aufgabe herangemacht und war erfolgreich ...
mangelhafte Leistung
... durch ihre/seine Geselligkeit trug sie/er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei ...
sie/er neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss
... für die Belange der Belegschaft bewies sie/er stets Einfühlungsvermögen ...
sucht Sexkontakte bei Betriebsangehörigen
... für die Belange der Belegschaft bewies er/sie ein umfassendes Einfühlungsvermögen ...
homosexuell oder lesbisch
Senkrechter Strich mit Kugelschreiber/Füllhalter, links stehend von der Unterschrift, der aussieht wie ein "Ausrutscher":
bedeutet Mitglied einer Gewerkschaft
Ein so genannter "Ausrutscher" (nur Häkchen) nach rechts:
bedeutet Mitglied einer rechtsstehenden Partei
Ein so genannter "Ausrutscher" (nur Häkchen) nach links:
bedeutet Mitglied einer linksstehenden Partei
Ein so genannter "Doppelausrutscher" (Doppelhäkchen) nach links:
bedeutet Mitglied einer linksgerichteten, verfassungsfeindlichen Organisation

 

Zeugnisstufen für Lohnempfänger:

Zeugnistext
Schulnote
... mit ihrem/seinem Fleiß, ihren/seinen Leistungen und ihrer/seiner Führung waren wir in jeder Hinsicht zufrieden ...
Schulnote 1 - 2
... mit ihrem/seinem Fleiß, ihren/seinen Leistungen sowie ihrer/seiner Führung waren wir sehr zufrieden ...
Schulnote 2
... mit ihrem/seinem Fleiß, ihren/seinen Leistungen sowie ihrer/seiner Führung waren wir zufrieden ...
Schulnote 2-3
... mit ihren/seinen Leistungen und ihrer/seiner Führung waren wir zufrieden ...
Schulnote 3
... ihre/seine Leistungen und ihre/seine Führung waren befriedigend ...
Schulnote 3-4
Wir bestätigen Herrn/Frau ___ ... dass er/sie vom ___ bis ___ bei uns als ___ beschäftigt war.
Schulnote 4

 

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